Besuch beim Zahlbacher Hannes

Mehr als eine Gräberstätte: ein Besuch auf dem Friedhof in Mainz.

Bilder vom Friedhof? Manch einer mag dem nichts abgewinnen oder die Arbeit des Fotografen auf Friedhöfen abstoßend und die Ergebnisse unästhetisch finden. Das sehe ich ein bisschen anders. Mit der richtigen Einstellung, einem angemessenen Verhalten, Respekt und pietätvollem Vorgehen kann man sich auch als Fotograf mit der Kamera auf Friedhöfen blicken lassen.

Friedhöfe haben eine sehr spezielle Atmosphäre. Fotografisch kann man hier nichts erzwingen. Man muss die einzigartige Stimmung atmen, bereit sein, sich fallenzulassen. Fotografieren an diesen Orten ist niemals Arbeit, es ist Entspannung, zu sich finden und nebenbei dem schönsten Hobby der Welt nachgehen. Hektisch über die Gräberfelder hüpfen auf der Suche nach “dem” Motiv ist nutzlos. Hier gilt: offen sein für Eindrücke, nicht immer nur stur nach Motiven suchen, sondern das wahrnehmen, was einem vielleicht nur im Augenwinkel auffällt, Kleinigkeiten, an denen man sonst als Besucher vielleicht achtlos vorbeigelaufen wäre.

Grabstellen sind unfassbar vielfältig, individuell und natürlich erzählen sie alle Geschichten, die man vielleicht nicht nacherzählen und ganz erfassen, aber mit schönen Bildern andeuten kann. Auf vielen Friedhöfen, gerade auf dicht bewachsenem Gelände, findet man unzählige wunderschöne, passende Lichtsituationen, die sich im Tagesverlauf immer wieder ändern und neue, spannende Ansichten bieten.

Für die kleine Auswahl der Bilderserie hier war ich an einem schönen Sommertag im Juli 2020 für zwei Stunden auf dem Zentralfriedhof in Mainz. Hier, an der Unteren Zahlbacher Straße, wohnt laut Volksmund der “Zahlbacher Hannes” – in der Stadt steht der Name als Synonym für das weitläufige Friedhofsgelände, das offiziell als drittschönstes Friedhofsgelände Deutschlands gilt.

Die Anzahl der alten Gräber, Gruften und Monumente auf dem 2 Quadratkilometer großen Gelände, das in der jetzigen Form in Grundzügen seit 1803 besteht, ist unfassbar. Große, alte Baumbestände und viele natürlich gealterte aber gepflegte Grabfelder geben dem Friedhof sein besonderes Flair. Heute stehen 230 Grabmäler unter Denkmalschutz, der älteste noch existierende Grabstein stammt aus dem Jahr 1805.

Zurück zum Seitenanfang
Einen Schritt zurück Zurück
Close Zoom
Der Rechtsklick ist hier leider deaktiviert.